STUDENTISCHER WETTBEWERB

at 2Rivers Film Festival 2020

11 Filme waren im studentischen Wettbewerb vertreten, bei dem wir in diesem Jahr gleich zwei Preise vergeben konnten. Die Martin-Görlitz-Stiftung lobte einen mit 500 EURO dotierten Preis für den besten Film in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ aus. Ebenfalls 500 Euro bekam der Gewinnerfilm in der Kategorie „Esskulturen“, die im Rahmen des BMBF-geförderten Forschungsprojektes „Esskulturen“ an der Universität Koblenz entwickelt worden war.

Grußwort von Martin Görlitz zum „2Rivers-Nachhaltigkeitspreis“ 

 

Die diesjährigen Gewinner*innen des studentischen Wettbewerbs sind: 

In the Arms of the Ocean von Renate Bijlholt in der Kategorie „Nachhaltigkeit“

In Aiye´s Garden von Eyob Defersha in der Kategorie „Esskulturen“

 

 


NACHHALTIGKEIT

A NEW ERA von Boris Svartzman | FR 2019 | 71′

Der 7- jährige Kampf eines chinesischen Dorfes gegen ihre Landenteignung, beispielhaft für das Schicksal von Milliarden von Bauern, die jedes Jahr zur Urbanisierung gezwungen werden.

Im Jahr 2008 vertreiben lokale Behörden 2.000 Dorfbewohner aus Guanzhou, einer Flussinsel in Südchina, um einen mutmaßlichen Ökologischen Park zu errichten. Trotz des Abrisses ihrer Häuser und des Drucks der Polizei kehrt eine Handvoll Bewohner auf die Insel zurück. 7 Jahre lang filmt Boris ihren Kampf zur Rettung ihres angestammten Landes, von den Ruinen des Dorfes, in dem sich die Natur langsam wieder durchsetzt, bis zu den Baustellen der Megastadt, die unaufhaltsam auf sie zukommt. Werden sie das gleiche Schicksal teilen wie 5 Milliarden chinesischer Bauern, die jedes Jahr enteignet werden?


BAREFOOT IN THE FOREST von Julie Alva Cleve | NO 2019 | 28′

Barefoot In The Forest handelt vom Aktivisten Christoph ‚Huck‘ Middeke und seinem Experiment mit dem Leben. Mit seinem Fahrrad und verschiedenen Ausrüstungsgegenständen macht er sich im finnischen Wald auf den Weg, um herauszufinden, wie man näher an der Natur leben kann und wie wir alle unseren Teil dazu beitragen können, das Netz des Lebens zu unterstützen. Huck widmet sich der Umsetzung des Gedankens in die Tat – unsere Kultur zu reparieren, ohne Geld oder fossile Brennstoffe zu leben und ohne Müll zu produzieren – um ein Teil der Natur zu sein. Doch Hucks Traum wird von den Realitäten des Lebens gemildert: eine Familie zu unterstützen, in einer Stadt zu leben und einen kleinen Sohn großzuziehen.


BEYOND von Magdalena Reichinger | AT 2019 | 47′

In Zeiten des drohenden ökologischen Zusammenbruchs scheint es immer dringlicher, dass Forschung und Technologie zur dauerhaften Besiedlung des Mars voranschreiten. Beyond begleitet zwei Menschen, die fest an die Zukunft ihrer Spezies außerhalb der Erde glauben, und stellt ihre Visionen und Ideen möglicher Gestaltungskonzepte für eine alternative Zukunft vor. So wie die beiden potentiellen Astronauten ständig zwischen vergangenen und zukünftigen Lebensrealitäten hin- und hergerissen sind, spielt der Film in Zeiten wie diesen auch mit der Frage nach der Realität.


FREDDY von Ian Bertorelli | USA 2018 | 10′

Ein überirdischer und existenzieller Rundgang durch das Innere eines Klempnerwagens.

Freddy ist ein Klempner aus Chicago, und sein großer roter Lieferwagen ist vollgepackt mit einer schwindelerregenden Anzahl von esoterischen Teilen und Werkzeugen. Dieser Kurzfilm abstrahiert und erweitert den Innenraum von Freddys Lieferwagen, während er das Dilemma beschreibt, den mobilen Vorrat zu unterhalten, der ihn zu einem Meister seiner Arbeit macht. Als er sich dem Ruhestand nähert, muss Freddy entscheiden, was er mit den Werkzeugen und Teilen, die er im Laufe seiner Karriere gesammelt hat, machen will.


IN THE ARMS OF THE OCEAN von Renate Bijlholt | NL 2019 | 25′

GEWINNERIN DES STUDENTISCHEN WETTBEWERBS IN DER KATEGORIE „NACHHALTIGKEIT“

Die Fischer stehen an vorderster Front der Umweltveränderungen, die auf See auftreten. Stürme beeinträchtigen ihren Fang, steigende Meeresspiegel gefährden ihre Insel. Das sich verändernde Klima wirkt sich auf den Rhythmus des Lebens im Meer aus, erschüttert das Leben an Land, prägt das Wissen über die Meereslandschaft und formt Kulturen um. Die Fischer sind nun gezwungen, sich an die neue Art und Weise des Meeres anzupassen, indem sie die Art und Weise verändern, wie sie mit ihrer Umwelt interagieren, und den Rhythmus ihres Lebens ändern.


THE DEPTH BENEATH, THE HEIGHT ABOVE von Andrea Bordoli | CH, UK 1028 | 18′

The Depth Beneath, The Height Above besteht in einer Erkundung der hochalpinen Region Robiei in der Südschweiz. Konzipiert als ein sinnliches Stück, konzentriert sich der Film insbesondere auf die bestehenden Beziehungen zwischen den Menschen, Tieren, Infrastruktur- und Naturelementen, die die spezifische Landschaft von Robiei ausmachen.

Durch eine Gegenüberstellung der Ästhetik und der Aktivitäten, die sich über – dem kontinuierlichen Wasserfluss, der Bewegung der Tiere, den Prozessen der Käseproduktion – bzw. unter dem Bodenniveau abspielen, werden die Mechanismen, Maschinen und Technologien, die an der hydroelektrischen Produktion beteiligt sind, sowie die Menschen, die mit ihnen interagieren, einander gegenübergestellt. Der Film versucht, die Naturkultur und die artenübergreifenden Assemblagen zu erfassen, durch die Robiei und viele andere zeitgenössische Schweizer Alpenlandschaften produziert werden.


THE RIVER, MY FRIEND von Hannah Ambühl | SE, Ch 2018 | 47′

The River, My Friend ist ein Porträt über das Leben von vier Frauen und ihre Beziehung zum Fluss Lule in Nordschweden. Der Film gibt Einblicke in die vergangenen und gegenwärtigen Folgen der Wasserkraft am Fluss Lule: Viele Sami waren gezwungen, ihr Land zu verlassen, um den Dämmen Platz zu machen. Diese Umstände im Zusammenhang mit der Kolonisierung von Sápmi („Lappland“) führten zum Verlust der einheimischen Kultur und Lebensweise (wie Sprache, Rentierzucht, Essen und Lieder). Zugleich zeigt der Film die tiefe Freundschaft zwischen den Frauen und dem Fluss Lule: „Jeden Tag fließt der Fluss durch mich, auf der Suche nach Erinnerungen“, sagt die Märchenbuchautorin Eva-Stina Sandling. Der Film drückt sowohl die Entfremdung als auch die wachsende Bindung zwischen Mensch und Natur aus.


THERMOPLASTISCHE ELASTOMERE von Melina Rieder | CH 2019 | 11′

Thermoplastische Elastomere: Ein Weihnachtsfilm ist ein kunststoffbasierter Essayfilm und untersucht mit einem Paar grüner Augen die Frage nach unserer von künstlicher Intelligenz geprägten Zukunft.

In vielen Teilen der Welt wird der Lebensstil der Menschen zunehmend durch sich ständig weiterentwickelnde Technologien beeinflusst. Um den wachsenden Herausforderungen des Klimawandels und der sozialen Umwälzungen zu begegnen, brauchen wir viel Kreativität; im Umgang mit unserer Umwelt und bei der Gestaltung unserer Beziehungen. Wie wird diese Kreativität dadurch beeinflusst, dass der Alltag vieler Menschen von immer mehr „intelligenten“ Objekten geprägt wird, die unsere Entscheidungen beeinflussen und dabei Daten sammeln? Was passiert mit menschlichen Beziehungen und Geschlechterstereotypen, wenn wir Körper nach eigener Wahl gestalten und nach Hause bestellen können? Und was, wenn wir uns in sie verlieben?

Menschenähnliche Roboter sind noch nicht ganz bereit, die perfekten Gesprächspartner* zu sein oder unsere Wohnungen zu putzen. Aber die Entwicklung schreitet sehr schnell voran. Wann ist der richtige Zeitpunkt, dieses Thema aus sozialwissenschaftlicher Sicht zu analysieren und drängende Fragen aufzuwerfen? Der Filmemacher zieht es vor, eher früher als später zu ergründen, und deshalb nähert sich dieser Essayfilm den Robotern so nah wie möglich an den Moment: in Form einer so genannten „Liebespuppe“, noch ohne künstliche Intelligenz. Der Film soll ein Ausgangspunkt für Diskussionen zu diesem Thema sein und mehr Fragen als Antworten aufwerfen.


ESSKULTUREN

IN AIYE’S GARDEN by Eyob Defersha | ET 2019 | 41′

GEWINNER DES STUDENTISCHEN WETTBEWERBS IN DER KATEGORIE „ESSKULTUREN“

Enset ist bekannt für ihre einzigartige Dürreresistenz. Die großen Blätter der Enset-Pflanze sammeln Regenwasser und leiten es in Richtung eines fassähnlichen STammes wo es konserviert wird. Daher kann Enset selbst in trockenen Perioden, in denen andere Getreidearten leicht der Dürre erliegen, überleben und seine grüne und üppig aussehende Struktur für längere Zeit beibehalten.

In Aiyes Garden ist ein Film aus der „Guardians of Productive Landscapes“ Filmreihe, Herausgeber Ivo STrecker, und produziert unter der Schirmherrschaft des Max-Planck-INstituts für Sozialanthropologie, Halle/Saale, und Deutschland.

Im Zentrum des FIlms steht Aiye, Großmutter des Autors, die uns ihr WIssen über die Enset-Pflanze vermittelt und zeigt wie daraus Nahrung gewonnen werden kann. Ihrer Form der landwirtschaftlichen Produktion belastet die Umwelt nicht weil Aiye nur einfache Werkzeuge und organischen Dünger verwendet. Frauen sind das Rückgrat der Enset-Produktion im Hochland von Gamo. Sie übernehmen alle wesentlichen Aufgaben, die mit dem Anbau dieser Kulturpflanze verbunden sind. Hierzu gehören das Verteilen von Kuhdung und anderem organischem Dünger zwischen den Enset Stauden, Pflanzen der STecklinge, Ernten, Verarbeiten und Lagern der Enset, sowie die Zubereitung verschiedener Mahlzeiten.


THE CRY OF THE ROOSTER von A. Fersztand & R. Cerullo | CH, FR 2019 | 8′

Unser Film befindet sich an der Schnittstelle der beiden Themenfelder Nachhaltigkeit und Esskultur. Wir betrachten einen Lebensstil in einem itteleuropäischen Kontext, der das Bewusstsein von konsumiertem Fleisch als Lebewesen wiederherstellt. Wir lassen den Zuschauer den Prozess des „life to plate“ miterleben, um damit dem Publikum einen Denkanstoß über die Nachhaltigkeit einer Ernährungskultur zu geben, ohne dabei den Fleischkonsum zu verteufeln.


TOFU NIGHTS von Eim Chan Thar | MM, DE 2017 | 17′

Es ist ein langer Tag für die Arbeiter in Rangoons „oberster“ Tofufabrik Shwe Pyi Thar, die sich rühmt, Tofu völlig ohne den Einsatz von Chemikalien herzustellen. Eine heiße und mühsame Arbeit, von der Dämmerung bis zum Morgengrauen.